Punktion des Mutterkuchens (Chorionzottenbiopsie)
Die Chorionzottenbiopsie wird meistens durchgeführt, um Störungen
an den Trägern des Erbgutes, den Chromosomen, zu erkennen. Hierzu
werden die aus dem Mutterkuchen gewonnenen kindlichen Zellen in
einer Kultur angezüchtet. Nach einer ca. zweiwöchigen Zellkultur
(Langzeitkultur) kann dann in der Regel der Chromosomensatz des
ungeborenen Kindes ermittelt werden. Ein Teil der entnommenen
Zotten wird über Nacht kultiviert und anschließend zur
mikroskopischen Untersuchung der Chromosomen aufgearbeitet
(Direktpräparation), so dass ein erstes Ergebnis bereits nach 1-2
Tagen vorliegt. Bei der Chromosomenanalyse wird zum einen auf
zahlenmäßige Chromosomenstörungen (die bekannteste ist hierbei
das Down-Syndrom = Trisomie 21, früher auch Mongolismus genannt)
geachtet sowie auf grobe Veränderungen der Chromosomenstruktur.
Feinere Strukturveränderungen sind dagegen in der Regel nicht zu
erkennen und werden nur bei speziellem Verdacht untersucht.
Bei entsprechender familiärer Belastung können zudem durch
spezielle molekularbiologische und biochemische Untersuchungen
mittlerweile viele Erbkrankheiten (z.B. Mukoviszidose,
Muskeldystrophie, Speicherkrankheiten) nachgewiesen oder
ausgeschlossen werden. Dies setzt aber eine genaue Kenntnis über
die jeweilige Erkrankung voraus.
Ein normaler Chromosomensatz schließt Fehlbildungen und
Erkrankungen des Ungeborenen, z.B. Herzfehler,
Extremitätenfehlbildungen, Spaltbildungen im Gesicht sowie viele
geistige Behinderungen nicht aus, da diese oft nicht mit
erkennbaren Abweichungen im Chromosomensatz verbunden sind.
Einige dieser Erkrankungen können aber durch eine hochauflösende
Ultraschalluntersuchung (optimaler Zeitpunkt 20.-22.
Schwangerschaftswoche) erkannt werden.
Da bei der Chorionzottenbiopsie kein Fruchtwasser zur Bestimmung
des Alpha-Feto-Proteins (AFP) zum Nachweis von offenen
Spaltbildungen der Wirbelsäule und des Schädels entnommen werden
kann, sollte in der 16. bis 18. Schwangerschaftswoche eine
AFP-Bestimmung aus dem Blut der Mutter und/ oder eine
Ultraschalluntersuchung in der 20.- 22. Schwangerschaftswoche
erfolgen, um derartige Defekte auszuschließen.
Üblicherweise wird die Chorionzottenbiopsie zwischen der 10. und
13. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Nach einer orientierenden
Ultraschalluntersuchung zur Beurteilung des Kindes und der Lage
des Mutterkuchens wird die günstigste Einstichstelle gewählt.
Dann wird nach Desinfektion der Bauchdecke unter ständiger
Ultraschallkontrolle eine sehr dünne Nadel durch die Bauchdecke
(transabdominal) in den Mutterkuchen (Chorion frondosum)
vorgeschoben und die Chorionzotten durch Ansaugen in eine Spritze
mit Nährmedium entnommen. Anschließend wird die Probe sofort
mikroskopisch untersucht, um das Vorliegen einer ausreichenden
Menge zu beurteilen.
Dieser Vorgang dauert in der Regel weniger als eine Minute. Die
mit dem Eingriff verbundenen Schmerzen sind so gering, dass eine
örtliche Betäubung nicht erforderlich ist.
In einigen wenigen Fällen werden zu wenig Zotten gewonnen oder
diese sind so verändert, dass eine Chromosomenanalyse nicht
möglich ist. Dann kann eine zweite Punktion erforderlich
sein.
Selten treten in Chorionzotten Chromosomenmosaike oder andere
Chromosomenbefunde auf, die nicht repräsentativ für den
Chromosomensatz des Feten sein müssen und zu schwieriger oder
fehlerhafter Interpretation führen können. Bei bis zu 3% der
Fälle erfordern daher außergewöhnliche Ergebnisse der
Chromosomenanalyse die Untersuchung eines zweiten Zellsystems, in
der Regel durch eine Fruchtwasserentnahme.
Sowohl über das Ergebnis der Direktpräparation als auch nach
Abschluss der Langzeitkultur (in der Regel 2-3 Wochen nach
Punktion) mit abschließender Beurteilung des kindlichen
Chromosomensatzes erhalten Sie und Ihr behandelnder Frauenarzt
einen Bericht. Im Brief an den Arzt wird auch das Geschlecht des
Kindes mitgeteilt, das Sie auf Wunsch erfragen können.
Wie bei der Fruchtwasserpunktionen liegt bei der transabdominalen
Chorionzottenbiopsie das eingriffsbedingte Risiko bei 0,5%, d.h.
auf 200 Punktionen ist mit einer Fehlgeburt zu rechnen. Zu
bedenken ist, dass zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft das
Risiko einer Fehlgeburt noch relativ hoch ist und auch ohne
Eingriff um 4% liegt. Nadelverletzungen des Kindes oder Gefahren
für die Mutter, wie Infektionen und Blutungen sind hingegen
extrem selten.